Italien 2028: Standstreifen frei für Motorräder - was das für deine GS-Tour bedeutet

Italien 2028: Standstreifen frei für Motorräder - was das für deine GS-Tour bedeutet
Italien ist für viele von uns das Traumziel schlechthin: Dolomiten-Pässe, Stilfser Joch, die Küstenstraßen am Mittelmeer, dazu Espresso und Pasta an jeder Ecke. Wer mit der GS in den Süden fährt, kennt aber auch die Kehrseite - zähe Staus auf der Autobahn, Hitze, die sich unter der Textiljacke staut, und die Frage, was man im Stadtverkehr eigentlich darf. Jetzt kommt Bewegung in die Regeln. Italien plant eine neue Straßenverkehrsordnung, den Codice della Strada, und für Motorradfahrer sind einige spannende Neuerungen dabei.
Standstreifen im Stau: endlich offiziell
Vorgesehen ist, dass Motorrad- und Rollerfahrer bei Stau auf der Autobahn den Standstreifen nutzen dürfen. Es gibt aber Bedingungen: Du musst langsam fahren und jederzeit in der Lage sein, Rettungsfahrzeugen Platz zu machen. Das ist sinnvoll, denn genau dort kommt im Ernstfall der Krankenwagen durch.
Heute ist das offiziell nicht erlaubt. In der Praxis wird es allerdings häufig geduldet, und viele Zweiradfahrer nutzen den Streifen ohnehin. Mit der neuen Ordnung verschwindet diese Grauzone. Gerade mit einer vollbepackten Reise-Enduro, bei der das Gewicht im Stand und im Schritttempo spürbar ist, ist ein freier Streifen mehr als bequem: Du stehst nicht bewegungslos in der Sonne oder im Regen, und dein Motor bekommt wieder Fahrtwind.
Die “virtuelle Spur” in der Stadt
Auf mehrspurigen innerstädtischen Straßen ohne Standstreifen müssen Autofahrer künftig eine “virtuelle Spur” in der Mitte freimachen, damit Zweiräder durchkommen. Wer das nicht tut, riskiert eine Strafe zwischen 80 und 320 Euro. Ziel ist ein flüssigerer Verkehr und mehr Schutz für Motorrad- und Rollerfahrer.
Für uns mit breiten Boxern und Koffern heißt das trotzdem: Augen auf. Eine GS mit montierten Alukoffern ist deutlich breiter als ein Roller. Die Regel gibt dir keinen Freibrief, sondern eine Möglichkeit, die du mit Augenmaß und Rücksicht nutzen solltest.
Schutzkleidung wird Pflicht - zumindest auf der Autobahn
Der Teil, der uns Tourenfahrer am meisten betrifft: Auf Autobahnen sollen Fahrer und Beifahrer neben dem Helm künftig auch Handschuhe sowie einen Rückenprotektor oder eine Airbag-Weste bzw. -Jacke tragen. Alles muss nach CE-Norm homologiert sein. Ein Verstoß kostet zwischen 40 und 160 Euro.
Die gute Nachricht: Wer eine vernünftige Reiseausrüstung fährt, ist hier meist schon sauber aufgestellt. Eine ordentliche Enduro-Jacke mit Protektoren und Handschuhe gehören für die meisten GS-Fahrer ohnehin zur Grundausstattung. Prüfe aber vor der nächsten Italien-Tour, ob dein Rückenprotektor wirklich eine CE-Kennzeichnung hat. Das gilt besonders für Sozia oder Sozius, denn die Pflicht gilt ausdrücklich auch für Passagiere.
Ein ungewöhnlicher “Rabatt”
Italien will den Gebrauch zertifizierter Schutzkleidung auch mit einem Anreiz fördern. Verursacht ein Motorradfahrer durch einen Fehler oder zu hohes Tempo einen Unfall, sollen ihm bis zu 50 Prozent des fälligen Bußgelds erlassen werden, wenn er die vorgeschriebene Ausrüstung trägt. Das klingt etwas schräg, zeigt aber die Richtung: Schutzkleidung soll sich lohnen.
Neue Bußgeldlogik beim Tempo
Auch bei Geschwindigkeitsverstößen ändert sich etwas:
- Auf Autobahnen und Landstraßen kostet künftig jeder km/h über dem Limit 10 Euro. Bei 20 km/h zu viel sind das 200 Euro.
- In der Stadt kostet jeder km/h 5 Euro. Wer statt 50 km/h mit 90 km/h unterwegs ist, zahlt ebenfalls 200 Euro.
Zum Vergleich der aktuellen Lage: Bis 10 km/h zu viel kosten zwischen 42 und 173 Euro. Wer 11 bis 40 km/h zu schnell ist, zahlt 173 bis 695 Euro. Darüber werden es bis zu 4.000 Euro, und der Führerschein ist weg. Die neue Systematik ist also leichter zu überblicken, bleibt aber spürbar teuer.
Wann gilt das alles?
Die neue Straßenverkehrsordnung soll voraussichtlich am 1. Januar 2028 in Kraft treten. Bis dahin gilt: Der Standstreifen ist offiziell tabu, auch wenn er in der Praxis oft genutzt und geduldet wird. Verlass dich also bis dahin nicht darauf, denn eine Toleranz ist keine Erlaubnis.
Unser Fazit für dich
Für Italien-Fahrer mit der GS sind die Pläne unterm Strich eine gute Nachricht. Weniger Wartezeit im Stau, mehr Sicherheit durch klar definierte Ausrüstung und verständlichere Bußgelder. Bis 2028 bleibt noch etwas Zeit, aber ein Blick in den Schrank lohnt sich schon jetzt: Passen Handschuhe und Rückenprotektor, und ist alles CE-zertifiziert? Dann steht der nächsten Tour über den Brenner nichts im Weg.
Wichtig: Es handelt sich um Pläne, und Details können sich bis zum Inkrafttreten noch ändern. Informiere dich vor deiner Reise kurz über den aktuellen Stand.