R 1150 GS: Mehr Platz im Werkzeugfach durch Eigenumbau

R 1150 GS: Mehr Platz im Werkzeugfach durch Eigenumbau
Wer eine R 1150 GS bewegt, kennt das Problem: Das serienmäßige Werkzeugfach ist praktisch, aber knapp bemessen. Bordwerkzeug, ein Schlauch-Reparaturset, vielleicht noch ein kleines Erste-Hilfe-Set - mehr passt kaum hinein. Für alle, die auf Reisen zusätzlich Kleinkram wie Kabelbinder, Sicherungen, ein Multitool oder Ersatzteile griffbereit verstauen wollen, wird das Fach schnell zum Nadelöhr. Eine in der Szene immer wieder diskutierte Lösung: das Fach von innen vergrößern, indem man den Boden aussägt und den gewonnenen Raum mit Glasfasergewebe neu auskleidet.
Warum der Umbau überhaupt Sinn ergibt
Das originale Werkzeugfach der R 1150 GS ist nach unten und zu den Seiten hin durch die Karosserie und angrenzende Bauteile begrenzt, obwohl darunter oft noch ungenutzter Hohlraum vorhanden ist. Wird der Boden entfernt, lässt sich dieser Raum mit erschließen - je nach Fahrzeug und Anbauteilen kommen so spürbar mehr Zentimeter Tiefe zusammen. Für Vielfahrer und Reisefahrer, die ohnehin jeden Liter Stauraum brauchen, ist das ein einfacher Weg, ohne zusätzliches Gepäcksystem etwas mehr Ordnung und Kapazität zu schaffen.
So läuft der Umbau in der Praxis ab
Das Grundprinzip, das in einschlägigen Foren immer wieder beschrieben wird, ist simpel, verlangt aber sauberes Arbeiten:
- Fach ausbauen und Bereich freilegen. Bevor gesägt wird, sollte das Fach komplett demontiert und der umliegende Bereich auf Kabel, Schläuche oder andere Bauteile geprüft werden, die im Weg sein könnten.
- Boden vorsichtig aussägen. Mit einer feinen Säge (etwa einer Puk- oder Dekupiersäge) wird der originale Boden entfernt, um den darunterliegenden Freiraum nutzbar zu machen. Wichtig ist, nur so viel wegzunehmen, wie tatsächlich frei ist - Kanten sauber führen, damit später eine stabile Klebefläche bleibt.
- Mit Glasfasergewebe laminieren. Der neu entstandene, offene Bereich wird anschließend mit GFK-Matten und Epoxid- oder Polyesterharz ausgekleidet. Das macht das Fach nicht nur wieder dicht und stabil, sondern schafft zugleich eine formschlüssige, an den vorhandenen Bauraum angepasste neue Bodenwanne.
- Kanten verschleifen und nacharbeiten. Nach dem Aushärten werden Übergänge verschliffen, scharfe Kanten gebrochen und die Oberfläche bei Bedarf noch einmal versiegelt, damit keine Feuchtigkeit eindringt und nichts an Kabeln oder der Verkleidung scheuert.
Worauf du achten solltest
Auch wenn der Umbau unkompliziert klingt, lohnt sich Sorgfalt an ein paar Stellen:
- Arbeitsschutz beim Laminieren. Epoxidharz und Glasfaserstaub sind reizend - Handschuhe, Atemschutz und gute Belüftung sind Pflicht, nicht Kür.
- Wandstärke nicht übertreiben reduzieren. Wer zu viel Material wegnimmt, schwächt die Struktur. Lieber schrittweise vorgehen und zwischendurch prüfen, wie viel Spielraum tatsächlich vorhanden ist.
- Elektrik im Blick behalten. Gerade im Bereich unter und vor dem Werkzeugfach verlaufen Kabelstränge in unmittelbarer Nähe. Vor dem Sägen unbedingt den genauen Verlauf kontrollieren.
- Passform testen, bevor der Deckel wieder drauf kommt. Erst nach dem Aushärten des Laminats zeigt sich, ob das Fach noch sauber schließt und der Deckel spannungsfrei einrastet.
Alternative: fertige Lösungen statt Marmelade-Faktor
Nicht jeder hat Lust oder Werkstattausstattung für ein Laminierprojekt am eigenen Motorrad. Wer stattdessen auf zusätzlichen, sauber verarbeiteten Stauraum setzt, findet bei Hornig passendes Zubehör für die großen GS-Modelle - vom cleveren Gepäcksystem bis zu durchdachten Detaillösungen, die sich ohne Säge und Harz montieren lassen. Für alle, die den Eigenumbau trotzdem angehen wollen: Mit etwas Geduld, sauberem Werkzeug und einem Blick für die Kabelführung lässt sich aus dem knappen Serienfach der R 1150 GS spürbar mehr Nutzraum herausholen - eine kleine, aber wirkungsvolle Verbesserung für den Alltag mit der klassischen Boxer-GS.